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10.11.2017
Prof. Dr. Frank Schüssler: „Geographie ist weit weg vom alten „Stadt-Land-Fluss-Image“. <span>Foto: Piet Meyer/Jade HS</span>

Prof. Dr. Frank Schüssler: „Geographie ist weit weg vom alten „Stadt-Land-Fluss-Image“. Foto: Piet Meyer/Jade HS

Prof. Dr. Frank Schüssler in den Vorstand des VDGH gewählt

Dr. Frank Schüssler, Professor für Geoinformation und Wirtschaftslehre an der Jade Hochschule, wurde im Oktober in den Vorstand des „Verbandes für Geographie an Deutschsprachigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen (VGDH)“ gewählt. Die Wahl fand während des Deutschen Kongresses für Geographie in Tübingen statt. Die Amtszeit erstreckt sich auf die Kalenderjahre 2018 und 2019.

Herr Prof. Dr. Schüssler, warum möchten Sie sich im Vorstand des VDGH engagieren?
Täglich fällt mir auf, wo die Inhalte und Methoden der Geographie für aktuelle Herausforderungen eingesetzt werden. Dabei kann es um die Analyse lokal spürbarer Folgen weltweiter Entwicklungen gehen, wie etwa des Klimawandels oder der Globalisierung der Wirtschaft. Aber auch weitaus pragmatischere Fragestellungen zu räumlichen Strukturen und Prozessen werden betrachtet. Hier an der Jade Hochschule widmen wir uns im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen- Geoinformation (GWI) etwa den aktuellen Themen Energiewende, Gesundheitsversorgung und Stadt- oder Geomarketing. Die thematische Vielfalt ist spannend und die sich sehr dynamisch, aber in Teilen auch pluralistisch entwickelnde Geographie ist weit weg vom alten „Stadt-Land-Fluss-Image“. Gerne möchte ich mithelfen, die konzeptionellen, inhaltlichen und methodischen Stärken der Geographie durch eine gute Vorstandsarbeit zu unterstützen.

Was ist Ihnen in der Arbeit im Vorstand besonders wichtig?

Eine klare strategische Zielsetzung und somit Effizienz für die nächsten beiden Jahre. Da ich einige Vorstandsmitglieder seit vielen Jahren gut kenne, freue ich mich auf ein schlagkräftiges Team - übrigens auch mit viel Spaß an der Arbeit!

Welche aktuellen Themen stehen an?
Das werden wir auf der ersten Sitzung in Frankfurt zusammen mit dem alten Vorstand sorgfältig besprechen. Zwei Punkte möchte ich allerdings nennen. Zum einen findet 2019 der Deutsche Kongress für Geographie in Kiel statt. Dort wurde genau 50 Jahre zuvor die traditionelle, länderkundlich ausgerichtete Geographie „aufgemischt“. Wissenschaftstheoretisch anspruchsvollere Ansätze haben das Fach seitdem stark verändert. Für große Teile der Community ist dies wichtiger als die Mondlandung im gleichen Jahr. Zweitens erscheint es mir angebracht, von der stärker werdenden Gruppe der „Kritischen Geographie“ zu lernen, die vieles hinterfragt und hilfreiche Impulse geben kann, wenn sie noch pragmatischer wird.

Welche Rolle spielt die Geographie im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen- Geoinformation (GWI)?
Der Studiengang GWI ist interdisziplinär konzipiert. Die Studierenden belegen methodisch-technisch ausgelegte Module aus dem Bereich Geoinformation und Module aus dem Bereich Wirtschaft/Recht. Die Geographie hat hier zwei Funktionen: Einerseits bildet sie bei uns zusammen mit der Raumplanung die Schnittstelle zwischen Geoinformation und Wirtschaft/Recht, andererseits stellt sie eine inhaltlich-konzeptionelle Erweiterung der Kompetenzen der Studierenden dar. Dies wird durch anwendungsorientierte Fächer erreicht, wie etwa Wirtschaftsgeographie, Geomarketing, Geographische Energieforschung oder auch Geographische Gesundheitsforschung. Dabei stehen wir auch in Kontakt mit unseren Partnern aus Verbänden, Wirtschaft und Verwaltung. Die Resultate lassen sich sehen, denn die Studierenden schreiben ihre Abschlussarbeiten zu sehr unterschiedlichen Themen und die Absolventinnen und Absolventen kommen in extrem diversen Jobs unter, wie wir gerade recherchiert haben.