Menschen
Praxis
01.07.2013
Praxis im Hörsaal: Interview mit Prof. Dr. Dirk Fischer
Die Jade Hochschule fördert praxisorientiertes Lernen. So ist das Themenspektrum der Studiengänge am aktuellen Arbeitsmarkt ausgerichtet. Studentische Projekte werden oft in Kooperation mit Partnern aus der Praxis durchgeführt. Und alle Dozentinnen und Dozenten der Jade Hochschule kommen aus der Praxis und halten den Kontakt zur Wirtschaft. Einige Lehrende, die "Praxis in den Hörsaal" bringen, werden in den kommenden Wochen in der "Jade Welt" vorgestellt. Heute: Prof. Dr. Dirk Fischer. Welche Fächer lehren Sie an der Jade Hochschule?Ich lehre am Fachbereich Management Information und Technologie regelmäßig die Fächer Organisation und Führung, Investition und Finanzierung und Grundlagen der Ökonomie, und ab und an das Fach Wissenschaftliches Arbeiten. In welchen Bereichen haben Sie außerhalb der Hochschule gearbeitet? Seit wann arbeiten Sie an der Jade Hochschule?
Ich bin seit September 2010 an der Jade Hochschule. Davor war ich Unternehmensberater, erst bei KPMG und dann bei Ernst & Young – in der jeweiligen Spezialabteilung, die sich mit der Aufklärung und Prävention von Wirtschaftskriminalität beschäftigt. Mein Tätigkeitsschwerpunkt war das sogenannte Compliance Management. Damit bezeichnet man Maßnahmen und Strukturen, mit denen das rechts- und regelkonforme Verhalten aller Unternehmensmitglieder erreicht werden soll. Als Prokurist hatte ich Personal- und Umsatzverantwortung. Was ist das Wichtigste, was Sie den Studierenden mitgeben möchten?
Zwei Dinge:
1. Mit den bekannten Worten des Sozialpsychologen Kurt Lewin gesprochen: "Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie". Seit einiger Zeit ist ja viel von Schlüsselkompetenzen die Rede und es wird in der Lehre verstärkt darauf geachtet, bis hin zu speziellen Veranstaltungen etwa zur Kommunikationsfähigkeit oder dem Selbstmanagement. Das ist begrüßenswert. Auch nach meiner eigenen Erfahrung sind solche Kompetenzen sehr wichtig für die Berufspraxis. Nach meiner Erfahrung ist aber neben den Schlüsselkompetenzen und der speziellen, direkt anwendungsorientierten Fachkompetenz etwas ebenso wichtig, das man vielleicht "Schlüsselwissen" nennen könnte. Damit meine ich die Kenntnis solcher relativ allgemeiner und abstrakter Theorien oder Theoriebestandteile und Konzepte, die einen in die Lage versetzen, auch neue und möglicherweise komplex anmutende Sachverhalte und Problemstellungen relativ schnell analytisch zu erfassen und sinnvoll zu strukturieren, um sie bearbeiten zu können. Auch bei der Entwicklung neuer Ideen ist ein solches Wissen hilfreich.
2. In den allermeisten Lehrbüchern der Betriebswirtschaftslehre werden Unternehmen als relativ mechanistische, klar geordnete und strukturierte Systeme mit eindeutigen Regeln dargestellt. Ich versuche den Studentinnen und Studenten zu verdeutlichen, dass es daneben eine bunte Vielfalt informeller Elemente gibt: Kommunikationsnetzwerke jenseits der formalen Hierachie- und Abteilungsgrenzen, ungeschriebene Regeln darüber, was man tut und was man besser lässt, Routinen, Jargon, Dresscodes usw. Dies nicht zu beachten kann im Unternehmensalltag mitunter unangenehmere Folgen haben als der Verstoß gegen formale Regeln. Was gefällt Ihnen besonders gut an der Lehrtätigkeit?
Ich genieße besonders die Freiheit in der Gestaltung meiner Arbeit. Und wenn ich den Eindruck habe, dass ich bei den Studentinnen und Studenten Interesse für ein Themengebiet wecken konnte, dem sie vorher eher ablehnend gegenüberstanden, freue ich mich besonders. In dieser Reihe werden regelmäßig Lehrbeauftragte und Professorinnen und Professoren der Jade Hochschule interviewt, die ihre praktischen Erfahrungen mit in den Hörsaal bringen. Wer gerne einmal vorgestellt werden möchte, meldet sich bei Katrin Keller.